Kirchenkreis Göttingen

An-ge-dacht

Sieh das Herz an - Andacht vom 25.01.2020

Am Freitag gibt es Zeugnisse. Zeugnisse sind wichtig. Eventuell entscheiden sie über meine Zukunft mit. Ein Urteil über mein Leben sind sie nicht.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Joe kriegt in Mathe und Bio eine fünf. Am Nachmittag passt er immer auf seine Schwestern auf. Auch wenn Fußball seine Leidenschaft ist. Er trainiert die F-Jugend. Mit Baby-Sitting verdient er sich die neuen Fußballschuhe. Später will er Profi werden. Oder Erzieher.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Lilli ist schüchtern. Mündlich ist sie mies. Egal in welchem Fach. Erst am Nachmittag blüht sie auf. Wenn sie in Papas Werkstatt das Holz riecht. Wenn die Kreissäge röhrt und die Späne fliegen. Tischlerin, das wäre was. Mit der Buche muss man nicht quatschen.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Lukas ist verliebt. Wahnsinn. Für Spanisch und Geographie hat er gerade keine Gehirnzellen frei. Sobald sie in einem Raum sind, tanzt sein Magen Mambo. Er muss es ihm sagen. Aber wie? Und dann wird nichts mehr sein, wie es war. Halbjahreszeugnis – Dreck dagegen.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Reli war im Abi meine schlechteste Note. Jetzt bin ich Pastorin. Denn …
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Tun wir es ihm nach.


Wiebke Vielhauer, Pastorin aus Waake

Bahnhofsmission. Einfach da. Seit 125 Jahren.

Im Herbst 1894 stellten sich Frauen einer Herausforderung: Den durch die Landflucht in die Stadt ziehenden Mädchen Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch zu bieten – zuerst am Berliner Ostbahnhof, dann an den Bahnhöfen in München und Hamburg. Sie begannen so – über Religions- und Konfessionsgrenzen hinweg – zu helfen. Die Bahnhofsmission war gegründet und ist bis heute an über 100 Orten in Deutschland ökumenische und soziale Einrichtung am Bahnhof.

Die Bahnhofsmission hat seither ein „Fünf-Pfennig-Tee“- und „Suppen-Küchen“-Image – bei denen, die noch nie Erfahrung mit ihr sammeln konnten. Auch der Begriff „Mission“ trägt nicht zum Gegenteil bei. Doch sieht man hin, ist die Hilfe am Bahnhof – damals wie heute – wichtig, die 365 Tage im Jahr von Ehrenamtlichen geleistet wird.
 - Wer eine Ein-, Aus- und Umstiegshilfe benötigt, teilt seine Reisedaten mit. Die Bahnhofsmission informiert die beteiligten Bahnhofsmissionen und hilft selbst beim Ein- und Aussteigen.
 - Beim aktiven Bahnsteigdienst gehen die Mitarbeitenden mit ihren typisch-blauen Westen durch den Bahnhof und bieten ihre Hilfe an. Sie geben Auskünfte, unterstützen bei Verständigungsschwierigkeiten und begleiten auf dem richtigen Weg zum Zug.
 - Mit dem Kinderreiseprogramm „Kids on Tour“ werden freitags und sonntags allein reisende Kinder begleitet.
 - Für Menschen, die sich im Bahnhof aufhalten, gibt es einen Platz zum Ausruhen, ein Getränk, etwas zu essen und Zeit für Gespräche. Sie bekommen in der konkreten Situation das, was „notwendig“ ist: sofort – ohne Anmeldung – ohne Voraussetzungen erfüllen zu müssen – gratis.
 Wenn diese Hilfe nicht ausreicht, greift die Bahnhofsmission auf ein Netzwerk zurück, die der Diakonieverband, die Caritas, der Kirchenkreis Göttingen, die katholische Kirche sowie Stadt und Landkreis Göttingen vorhalten.

Wenn es ausweglos scheint: Die Bahnhofsmission weiß einen Weg:
BAHNHOFS-MISSION NOT IMPOSSIBLE!


Diakon Andreas Overdick, Leiter der Bahnhofsmission in Göttingen