An-ge-dacht

Was bringt mir das? - Andacht vom 04.09.2021

Was bringt mir das? Eine Frage, die viele sich stellen, wenn sie sich engagieren, ihr Leben planen. Zeit ist wertvoll und es gilt, sie zu nutzen. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das. Aber wenn wir alles nach seinem Nutzen bewerten, dann verarmt das Leben. Außerdem kann das ganz schön Druck aufbauen: wenn sich junge Leute immer fragen: „Was will ich mit meinem Leben machen?“, bleibt nur wenig Raum für ein „einfach mal so“. Wenn sich alte Menschen fragen: „Wozu bin ich denn eigentlich noch nutze?“, dann wird das ihrem Dasein nicht gerecht. Nein: Das Leben ist zu nichts nutze. Das Leben ist einfach so, geschenkt!

In der Bibel steht zuallererst: Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Etwas schaffen, nach einem Bild, das ist Kunst, um ihrer selbst willen! Kein Nutzen. Erst später gibt Gott den Menschen den Auftrag, die Welt zu bebauen und zu bewahren. Das ist wichtig, aber für diese Aufgabe hat Gott den Menschen nicht geschaffen. Die Welt wäre ohne uns sogar besser dran, auch wenn wir alles richtig machen würden. 

Unser Leben ist kein Mittel zum Zweck, es ist Geschenk. Das größte Geschenk, das wir kriegen können! Wer sich das bewusst macht, kann anders leben. Dankbarer und freigiebiger. Wer nicht immer auf seinen Nutzen und Lohn sehen muss, hat den Blick frei für das, was notwendig ist. Sieht den anderen. Kann vielleicht auch Schlimmes, das ihm widerfährt, anders annehmen. Er muss nicht fragen: „womit habe ich das verdient?“ So gerechtfertigt diese Frage auch erscheinen mag, sie hindert uns am Leben. Auch in einem von Krankheit oder Misserfolg geprägten Leben steckt: Leben! Leben, geschenkt von einem Gott, der weiß, was wir brauchen. Leicht ist es nicht, das zu sehen und anzunehmen. Aber ich denke, es lohnt sich, dran zu bleiben. Denn es führt mich zum Leben, in diesem Augenblick. Es führt mich zu Gott.
 
Julia Kettler, Pastorin der Gemeinden St. Michaelis Diemarden/St. Christophorus Reinhausen

Ab in den Urlaub - Andacht vom 24.07.2021

Freiheit, Entspannung, Erholung. Das tut gut nach den vielen Wochen und Monaten des Verzichts. Der Alltag war anstrengend. Das Hamsterrad hat sich schneller gedreht als sonst. Zur alltäglichen Arbeit und den Sorgen um die Familie und Freunde kamen Beschränkung und bei manchen Existenzängste dazu. Zeit auszubrechen und ab in den Urlaub zu fahren. Schönheit genießen egal ob nah oder fern, in den Bergen oder an der See, einsam, zweisam oder mit viel Trubel. Welcher Urlaubstyp Sie auch sind, gönnen Sie sich eine Auszeit aus dem Alltagstrott und das mit gutem Gewissen oder soll ich sagen: mit göttlichem Segen.

Schon Gott hat sich nach sechs anstrengenden Schöpfungstagen einen Tag Ruhe gegönnt. Denn Gott war schon immer klar, dass wer schuftet auch Erholungspausen braucht. Um Kraft zu tanken, sich zu orientieren, neu auszurichten. Aufgetankt geht es dann gleich viel besser weiter, wenn der Alltag uns wieder hat. So wünsche ich gute Reise, und bleiben Sie behütet!

Gott schütze Dich, wo auch immer Dein Weg Dich hinführt.

Gott leite Dich am Morgen, in der Mitte des Tages und am Abend.

Gott schütze Dich des Nachts, wenn Mond und Sterne das Firmament bedecken.

Gott schütze Dich des Tages, wenn die Mittagssonne brennt.

Gott leite Deine Füße sicher auf deinen Wegen.

Gott schenke Dir sichere Heimkehr.

Amen

 
Franziska Albrecht, Pastorin St. Martini Elliehausen-Esebeck/St. Margarethen Holtensen

Fruchtbare Erde - Andacht vom 03.07.2021

In dieser Jahreszeit gibt es kaum ein Fleckchen Erde, auf dem es nicht grünt und blüht. Die Erde strotzt vor Lebendigkeit. Nirgendwo ist das Leben so dicht und so rege wie in den obersten Erdschichten. In einem Quadratmeter Erde tummeln sich mehr Lebewesen als es Menschen auf der Welt gibt: Rädertierchen, Pilze, Springschwänze, unzählige Bakterien und andere kleinste Lebewesen. Sie alle halten ein kompliziertes und vernetztes Gefüge aufrecht und sorgen für die Fruchtbarkeit der Erde. Die Prozesse der Bodenbildung laufen in zeitlichen Dimensionen ab, die die Dimension unserer menschlichen Existenz in der Zeit weit überschreiten. Oft reichen aber nur wenige Jahrzehnte aus, um die Fruchtbarkeit ganzer Landstriche zu zerstören. 300 Jahre braucht es, bis sich 1 mm Humus aufgebaut hat – Humus, der zudem große Mengen an CO² im Boden bindet.

Täglich gehen in Deutschland ca. 60 ha Ackerboden verloren. Das entspricht etwa der Größe von 150 Fußballfeldern. Gerade in Regionen mit fruchtbaren Ackerböden wie z. B. bei uns im Leinetal stellt sich die Frage, ob es wirklich nötig ist, dass die Versiegelung der Böden immer weiter vorangetrieben werden muss.

Im alten Schöpfungsmythos der Bibel wird erzählt, wie Gott den ersten Menschen, Adam, aus Erde machte. Im Hebräischen, in der Sprache des ersten Teils der Bibel, heißt die Erde des Ackers: Adamah. Der Mensch, Adam ist ein Geschöpf der Erde, eng verbunden mit allem, was lebt – ganz und gar abhängig von diesem Geflecht des Lebens. 
 
Peter Lahmann, Pastor i. R.

Zeit ist wertvoll - Andacht vom 05.06.2021

„Hast du mal Zeit?“ Ich schaue auf die Uhr und denke: Eigentlich nicht, denn der nächste Termin drängt. Manchmal ist es schwer, allem und allen gerecht zu werden.

Zeit ist ein kostbares Gut. Wie oft höre ich: Ich habe keine Zeit!

Obwohl durch technische Unterstützungen heutzutage Vieles schneller geht, müsste man doch eigentlich mehr Zeit haben, oder? Wo bleibt die eingesparte Zeit?

Auf der Insel Kreta gibt es ein Sprichwort, das Gästen manchmal gesagt wird: „Ihr habt die Uhr, … wir haben die Zeit!“

Vielleicht fahren auch darum viele Menschen in den Urlaub, um endlich einmal Zeit zu haben. Doch kaum sind sie zurück, beginnt das Hasten und Rennen von vorn.

Natürlich weiß ich, dass es gute Gründe gibt, keine Zeit zu haben. Es gibt viel zu tun im Beruf, in der Familie, zu Hause. Oft kann man nicht wirklich etwas ändern. Aber gerade, wenn mir die Zeit fehlt, dann spüre ich, wie wertvoll jeder Moment ist.
 
Die Zeit fließt. Unaufhörlich. Sie vergeht. Ohne Pause. Mit und ohne Uhr. Manchmal könnte einem das schon Angst machen.

In der Bibel finden wir auf die Frage nach der Zeit eine andere Antwort:
„Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.“ 
 
Die Zeit zerrinnt nicht zwischen meinen Fingern. Gott legt sie mir in die Hände. Er schenkt mir Zeit.
„Meine Zeit steht in deinen Händen, Gott.“ Wer so leben und glauben kann, für den ist es viel einfacher Zeit zu haben.

Geschenkte Zeit lässt uns staunen, danken und bewusster damit umgehen. Sie lässt sich von einem Menschen zum anderen weitergeben.

Mit der Zeit ist es wie mit der Liebe: Sie wird nicht weniger, sondern mehr, wenn man sie verschenkt.
Haben Sie mal Zeit?
 

Michael Grabbe, Prädikant und Mitarbeiter im Pfarramt Obernjesa und stellvertretender Amtsleiter im Kirchenkreisamt Göttingen-Münden

Wie neu geboren - Andacht vom 11.04.2021

Wenn Männer die Kinder bekämen, wäre die Erde schon ausgestorben! So sagt es der Volksmund über die Mühen der Schwangerschaft und der Geburt. So bewundere ich alle Mütter, die nach neun Monaten anstrengender Schwangerschaft dann noch eine mühevolle Geburt hinter sich bringen.
Auch für das Kind ist es Schwerstarbeit, das Licht der Welt zu erringen: Wenn der erste Atemzug getan ist, hat es auch einen mühevollen Weg hinter sich gebracht. Und diesen Zustand nennen wir dann: Sich wie neu geboren fühlen!

Der Osterglaube der Christen ist auch anstrengend wie eine Geburt: Nicht erklärbar, aber erfahrbar.
Wer einen Tiefpunkt seines Lebens überwunden hat, kann eine Ahnung davon bekommen, was Auferstehung bedeutet.

Die Corona-Krise hat die Welt im Griff wie eine mühevolle Schwangerschaft: Viele Menschen leiden erheblich darunter.

Und sie dauert. Nicht nur neun Monate, viel länger.

Einzig die Hoffnung, sie irgendwann überstanden zu haben, lässt uns die Mühen und Einschränkungen tragen.

Leicht wird das alles nicht.

Aber am Ende hoffen wir auf ein Gefühl, dass wir wie neu geboren aus dieser Krise hervor gehen.
Wie neu geborene Kinder – Quasimodogeniti. Daran erinnert dieser Sonntag.

Henning Kraus, Pastor in St. Petri-Grone

Ostern ist kein Ruhetag - Andacht vom 03.04.2021

Freuen Sie sich auf das Osterfest 2021!

Selten ist dieses Fest so wichtig wie in diesem Jahr. Mehr denn je brauchen wir neue Hoffnung und Zuversicht sowie Mut und Kraft für das Leben. Denn die Zeiten sind hart und viele Wege auf unserer Erde schwer. Das gilt persönlich wie beruflich, und auch im Zusammenwirken in dieser Welt. Doch inmitten dieser Zeit erblüht das Osterfest. Ostern ist kein Ruhetag, es ist die Auferstehung in ein neues Leben. Da bricht der Himmel ins Herz hinein und schenkt Glauben und Liebe. Also ein Tag voller Aktivität, der uns selber aufstehen lässt aus der Resignation.

Ich wünsche allen, diesen Tag aktiv zu erleben. Dazu bieten wir Gottesdienste in Kirchen oder draußen an, im Internet oder Fernsehen. Dies kann auch zuhause geschehen, wo wir uns österlich einrichten. Viele gute Bräuche gibt es dazu, wie das Ostereiersammeln oder Nesterbauen mit Kindern, das Schmücken der Vasen mit aufblühenden Zweigen oder auch der Osterspaziergang. Besonders schön ist es, eine kleine Osterkerze auf den Tisch zu stellen und beim Frühstück oder Kaffeetrinken anzuzünden. Da die Osterzeit bis Christi Himmelfahrt oder Pfingsten reicht, kann dies jeden Sonntag wiederholt werden. Sollte das Licht nicht reichen, nimmt man eine andere Kerze dazu. Oder verschenkt sie in diesen Tagen mit lieben Ostergrüßen an andere. So wird diese Welt heller und froher. Ostern ist das Fest des Lichtes, die Auferstehung in ein neues Leben. 

Ralf Reuter, Pastor der Friedenskirche Göttingen

Wir kommen da durch - Andacht vom 13.02.2021

Es läuft nicht rund. Der Lockdown geht noch einmal in die Verlängerung. Die Erwartung, nach wochenlangen Einschränkungen in allen möglichen Bereichen des Alltags langsam wieder zu einer „Normalität“ zurückzufinden, wurde enttäuscht. Mit den Impfungen geht es nicht voran wie ursprünglich erhofft. Und jetzt legt der seit Jahren ungewohnte Wintereinbruch das Leben zusätzlich lahm.

Langsam reicht es. Die Nerven liegen blank, wenn die KiTa wieder nicht im verlässlichen Normalbetrieb offen hat. Wie sollen die Eltern jetzt ihr Arbeitspensum schaffen? Schnell hat die Erzieherin den Frust abbekommen. Im Supermarkt sind die Regale nicht gefüllt. Irgendwo sei der Transporter nicht durch die verschneiten Straßen gekommen. Die Kassiererin kann auch nichts dafür, muss sich aber das Gemecker anhören. Homeoffice ist eine gute Chance. Aber irgendwann will man auch die Kollegen mal wiedersehen und wenn das Internet ständig schlapp macht und die Kinder ihr Recht einfordern, geht die Arbeit nicht voran.

Keine Frage, es ist wirklich nervig. Aber es wird nicht besser, wenn wir unseren Frust an anderen auslassen. Eher im Gegenteil. Wir sitzen doch alle in einem Boot, und jeder versucht zu tun, was er kann. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater (im Himmel) barmherzig ist!“ (Lukas 6,36), empfiehlt die Jahreslosung aus der Bibel. Barmherzig sein bedeutet, Mitleid mit anderen zu empfinden und dementsprechend rücksichtsvoll und hilfsbereit zu handeln. Einander mit der Haltung der Barmherzigkeit zu begegnen, verändert das Miteinander und letztlich auch das gesellschaftliche Klima.

Das Beste gewollt zu haben, es aber nicht vollbringen zu können, ist doch eine Erfahrung, die wir alle manchmal machen. Da muss man die Barmherzigkeit auch für sich selbst gelten lassen. In allen großen Religionen, sei es das Judentum, das Christentum oder der Islam, gilt die Barmherzigkeit als zentrale Eigenschaft Gottes. Dass Gott barmherzig ist, dass er den Menschen mitfühlend begegnet, macht sein Wesen aus. Die Situation der anderen zu sehen, rückt vieles zurecht. Es ist halt Winter. Ja, und es ist Corona. Wir kommen da durch.


Friedrich Selter, Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen

Weihnachten - Andacht vom 19.12.2020

„…denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lukas 2,7c). 

Weihnachten im Jahr 2020. Im harten Lockdown. Geb’s Gott, dass Sie eine gute Form finden, es festlich werden zu lassen.

Dieses Weihnachten wird uns in Erinnerung bleiben. Weil es sich vermutlich von allen Weihnachtsfesten unterscheiden wird, die wir kennen. Weil es enger zugeht, als hätten auch wir heute nicht genug Raum. Wir können nur wenige Menschen beherbergen. Uns wird abgeraten, in der großen, vertrauten Runde zu feiern. 

Auch die Gottesdienste in Kirchen werden anders gefeiert. Nur „Digitalformate“ kennen keine Obergrenze. Manche Gottesdienste finden im Freien statt, oder an einem ungewohnten Ort. So oder so werden sie etwas Provisorisches haben. Vielleicht erinnern sie sogar an einen zugigen Stall.

Vielleicht sind wir unter diesen Umständen besonders dicht dran am Geschehen in der Heiligen Nacht. Die Unsicherheit auf dem Weg nach Bethlehem können wir nachvollziehen wie lange nicht mehr. Auch wir fragen uns, wo wir einen Ort finden, an dem es Weihnachten werden kann. Wo wir uns öffnen können für das Kommen Gottes und die Hoffnung, die aus dem Himmel kommt und nicht aus der Summe unserer Erfahrungen. Wo aus Traurigkeit Freude wird.

In diesem Jahr werden wir uns konzentrieren müssen. Was braucht es, dass es Weihnachten werden kann? Was ist unverzichtbar? Für mich lässt sich das an den Fingern einer Hand abzählen: Das Weihnachtsevangelium „Es begab sich aber zu der Zeit…“, Lieder wie „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ oder „O du fröhliche“, Kerzenschein, Kontakt zu lieben Menschen (vielleicht am Telefon) und etwas, das nach Weihnachten riecht und schmeckt. Nur fünf Dinge und es kann für mich Weihnachten werden. Mehr braucht es nicht im Jahr 2020. Und vielleicht wird die Erinnerung an dieses Weihnachten gar nicht mal schlecht sein.

Frohe und gesegnete Weihnachten!


Eckhard Gorka, Regionalbischof

Reformationstag - Andacht vom 31.10.2020

Freiheit ist das Thema unserer Zeit. Oft besungen, kontrovers diskutiert, als persönliches Recht eingefordert. In diesem Jahr ließ die COVID 19-Pandemie individuelle Freiheit und das Wohl einer ganzen Gesellschaft miteinander in Konflikt geraten. Das führte zu massiven Irritationen. Einzelnen und Familien wurde wirtschaftlich und psychisch viel zugemutet, und es zeigte sich: Eingriffe in Freiheitsrechte müssen immer wieder überprüft und gemeinsam verabredet werden.

Dabei ist Freiheit ist kein neuzeitliches Schlagwort. Es war auch das Schlüsselthema der Reformation. Und ein Kerngedanke in der Bibel. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ heißt es im Brief an die Galater (5,1). Wir sind frei ohne unser Zutun. Christus nimmt uns unsere Sünde und gibt uns dafür seine Gerechtigkeit. Das ist schwer zu verstehen. Freiheit ist heute ein selbstverständliches Gut. Ich habe einen Anspruch auf Freiheit – so denken viele. Deshalb sind die Einschränkungen unserer Freiheit auch so schwer zu ertragen. 

Für Luther war Freiheit nichts, worauf Menschen Anspruch haben. Freiheit ist Geschenk Gottes, das uns zugleich verpflichtet. Der Freiheitsgedanke der Reformationszeit weist uns grundsätzlich an den Nächsten. Wir sind befreit und beauftragt, anderen Menschen so zu begegnen, wie Gott selbst in Jesus Christus Menschen begegnet ist. Mit ihm kamen Worte und Taten in die Welt, die von Barmherzigkeit sprechen, von Vergebung, von Gnade und Nächstenliebe. Nichts braucht unsere Welt heute mehr. 


Ralf Meister, Landesbischof

Tag der Deutschen Einheit – Grund für Dankbarkeit! - Andacht vom 02.10.2020

Einer meiner Lieblingsverse in der Bibel steht in den Psalmen: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2) Diesen Psalm spreche ich im Gottesdienst oft als Dankgebet nach dem Heiligen Abendmahl. Und zuhause spreche ich den gleichen Vers als Tischgebet vor dem Mittagessen. Dadurch entsteht eine schöne Verbindung zwischen dem Abendmahl und der häuslichen Mahlzeit. Ein Stück Spiritualität im Alltag. Eine Unterbrechung inmitten von Arbeit und oft auch Zeitdruck. Manchmal muss ich mich selbst dazu ermahnen, mal Pause zu machen. Gut biblisch. Schließlich fordert der Psalmbeter sich ja auch selber auf, Gott zu loben und ihm für alles Gute zu danken.

Morgen ist zum 30. Mal der Tag der Deutschen Einheit. Wirklich ein Grund, um Freiheit, Demokratie und Wohlergehen im ganzen Land zu feiern. Aber wenn man die Zeitung aufschlägt, liest man viel von Unzufriedenheit, Verschwörungstheorien, Hass und dem Ruf nach radikalen Lösungen. Einen stärkeren Kontrast kann man sich eigentlich kaum vorstellen. Natürlich ist noch lange nicht alles gut. Das war es beileibe auch beim Beter des Psalms nicht. An Verbesserungen müssen wir weiter arbeiten. Das kann nur gemeinsam gelingen. Aber die beste Voraussetzung dafür ist erst mal die Dankbarkeit für all das, was gut ist. Und ich bin sicher, dass da fast jedem etwas einfällt. Dankbarkeit macht glücklich. Und dann tuen sich auch Wege für Veränderungen auf. Dreißig Jahre Deutsche Einheit? Da gibt es viel, für das wir dankbar sein können!


Friedrich Selter, Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen

Jetzt wird’s bunt… - Andacht vom 19.09.2020

Es ist unübersehbar und deutlich zu spüren: Der Herbst ist da! Der Sommer ist vorbei, auch wenn wir in der vergangenen Woche schöne spätsommerliche Tage hatten. Die Tage werden spürbar kürzer, das Laub der Bäume beginnt sich zu verfärben und nachts ist es oft schon ziemlich kühl.

„Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder und der Herbst beginnt. Rote Blätter fallen, graue Nebel wallen, kühler weht der Wind.“

Dieses Lied dichtete Johann Gaudenz von Salis-Seewis vor über 200 Jahren. Mit wenigen Strichen beschreibt er genau, was mit dem Beginn des Herbstes gemeint ist. Aber er bleibt dabei nicht depressiv stehen, denn er lässt die Farben der Früchte des Sommers hell aufleuchten.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann mich über den Anblick der Farbenpracht erfreuen. Aber mir ist auch bewusst, dass einigen Menschen diese Jahreszeit eher zu schaffen macht, wenn die Nebel aufsteigen und die Natur alles in einen grauen Schleier einwickelt.

Überfällt Sie vielleicht eine Niedergeschlagenheit oder ein Anflug einer Herbstdepression?

„Farbe kommt in dein Leben, wenn der Meistermaler malt!“ heißt es in einem anderen Lied. Der Meistermaler ist Gott. Er hat die Natur so herrlich gemacht und er möchte auch Ihr Leben in bunten Farben erleuchten lassen.

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mat. 11, 28). 

Gott möchte auch Ihr Leben gestalten. Er möchte nicht, dass Sie traurig sind oder in Hoffnungslosigkeit versinken.

Ich wünsche Ihnen, dass Gott Ihr Leben mit Freude und mit vielen bunten Farben erfüllen mag. Und das nicht nur im Herbst!


Michael Grabbe, Prädikant im ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen und stellvertretender Amtsleiter im Kirchenkreisamt Göttingen-Münden

Gottes Team – Das sind wir alle! - Andacht vom 05.07.2020

Unzählige Hände in der Höhe. So viele Meldungen! Alle schnipsen mit den Fingern, jeder will drankommen, gehört werden mit seiner Aussage. Ich kann jetzt nur einen drannehmen. Nur eine einzige Meldung wahrnehmen.

Je länger das Leben in unseren Kirchengemeinden von den coronabedingten Maßnahmen betroffen ist, desto lauter schnipst dieser Vers mit den Fingern. Ich schlage ihn schließlich auf: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht“ (1Petr 2,9).

Dieser Vers hat einen großen Anspruch. An uns alle. Er redet nicht bloß von mir, wenn ich im Talar in der Kirche stehe. Er redet von uns allen, ganz ungeachtet dessen, wer wir sind oder welcher Tätigkeit wir nachgehen:

In Gottes Team sind wir alle – weil er uns alle geschaffen und in der Taufe mit seiner Gnade beschenkt hat.

Gerade jetzt finde ich ihn besonders wichtig – deswegen schnipst der Vers vor mir auch so laut. Solange wir erst mal noch nur Gottesdienste feiern und unser Christsein noch nicht wieder in der Gemeinde so leben können, wie wir es gewohnt sind, ist das wichtig: Wir sind im Team Gottes! Im Privaten. In jeder Öffentlichkeit. Das heißt: Wir sind verpflichtet, Gottes gute Botschaft in die Welt zu tragen. Mit unseren Worten – und unseren Taten. So vieles mag jetzt anders und fremd sein, aber Gott nicht. Er ist da und wir alle sollen ihn allen zeigen!


Verena Tretter, Vikarin der Gemeinde St. Petri Weende

Augenblicke - Andacht vom 06.06.2020

Mein Gegenüber trägt eine Maske. Wenig zu sehen vom Gesicht. Mimik auf ein Minimum beschränkt. So ist das zur Zeit oft. Und das ist ja auch sinnvoll: Wir schützen uns gegenseitig. Aber es ist eine Beschränkung.

Vielleicht geht es Ihnen auch so – mir ist aufgefallen, dass ich Menschen in letzter Zeit viel mehr und aufmerksamer in die Augen schaue. Ein Lächeln kann ich eben oft nicht mehr am Mund erkennen – nur noch rund um die Augen. Durch einen Blick kann so viel geschehen. Ein Blick kann einladen oder zurückweisen, kann das Herz erwärmen, kann mich tief verbinden mit einem anderen Menschen. Ein Augenblick kann alles verändern. Wie werde ich angesehen?

In der Bibel ist oft vom „Angesicht Gottes“ die Rede. So spreche oder höre ich im Gottesdienst Worte aus der Bibel, mit denen seit alten Zeiten Menschen gesegnet worden sind.

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Über diese Worte wird an diesem Sonntag in vielen evangelischen Kirchen gepredigt. Und – vielleicht noch wichtiger – es wird auch mit ihnen gesegnet.

Manche übertragen den Wunsch des „leuchtenden Angesichts“ so: Gott schaue dich freundlich an.
Das finde ich ziemlich passend. Freundlichkeit, Zugewandtheit. So wie ich an den Fältchen um die Augen das Lächeln erkenne – trotz Maske. Nicht immer auf den ersten Blick. Aber was für ein Augenblick, wenn das Lächeln bei mir ankommt!

Manchmal geht uns auf, dass hinter dem, was wir erleben, viel mehr Segen steckt als wir geahnt haben.
Ich wünsche ein schönes Wochenende und eine gesegnete Zeit – und nicht vergessen: Gott sieht Dich freundlich an!


Detlef Lönneker, Pastor der Ev.-luth. Kreuzkirche Göttingen

Vor Pfingsten - Andacht vom 23.05.2020

Ich spreche mit einem Ehepaar, beide seit Wochen im Homeoffice und außerdem Kulturliebhaber. Viele Veranstaltungen fallen jetzt aus und plötzlich ist täglich Zeit für einen langen Spaziergang durch den Göttinger Wald. Ein neu entdeckter Freiraum.

Eine Examenskandidatin erzählt, dass zuerst völlig unsicher war, ob die mündlichen Prüfungen überhaupt stattfinden. Dann wurden sie verschoben. Jetzt ist die Hausarbeit zu schreiben, obwohl die meisten Bibliotheken noch geschlossen sind. „Wenn ich es dann geschafft habe, werde ich doppelt stolz sein,“ sagt sie. Welch tapfere Freiheit!

Musiker sind zurzeit besonders betroffen, keine Auftritte und oft existentielle Einkommensausfälle. Ein
Bläser aus dem GSO erzählt, dass er gerade jetzt sehr intensiv übt. Endlich ganz frei die Stücke spielen, an die er sich sonst nicht herangetraut hat, die, an denen er wirklich Freude hat. So spürt er sich dem Ursprung näher, der Quelle, die ihn hat Musiker werden lassen.

Der Apostel Paulus schreibt: Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit (2. Kor 3, 17). Gilt das auch umgekehrt? Wo Freiheit ist …

Vor Pfingsten wünscht Ihnen eine belebende Spurensuche


Gerhard Schridde, Pastor in St. Johannis Göttingen und im Citykirchenpfarramt

Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden - Andacht vom 10.05.2020

Am 8. Mai haben wir zum 75. Jahrestag dankbar der Befreiung vom Nationalsozialismus durch die Alliierten gedacht. Mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation ging in Europa der Zweite Weltkrieg zu Ende. Als einer der Nachgeborenen bin ich zusammen mit vielen anderen meiner Generation zutiefst dankbar, dass ich in einer Zeit des Friedens und wachsenden Wohlstandes aufwachsen durfte und mein Leben in großer Freiheit gestalten kann. Mit dieser Dankbarkeit geht die Trauer über die Verfolgung und Ermordung von über sechs Millionen Juden und all die anderen unsäglichen und menschenverachtenden Verbrechen des NS-Regimes einher. Mit dieser Trauer wiederum ist für mich die Scham angesichts der Schuld großer Teile der deutschen Bevölkerung verbunden, die sich allzu lange hinter einem „Wir haben von nichts gewusst“ zu verstecken suchten. Dabei tut es besonders weh, dass auch solche, die sich als Christinnen und Christen verstanden, auch in den theologischen Fakultäten und Kirchen, Schuld auf sich geladen haben, indem sie stillschweigend oder ausdrücklich die Ideologie der Nazis befürworteten, ihren Untaten tatenlos zusahen und die Begeisterung am Krieg teilten. Als einer, der bezweifelt, dass er damals selbst mutig Widerstand geleistet hätte, schreibe ich diese Zeilen in aller Demut.

Als Christinnen und Christen bekennen wir uns zu Jesus, der „unsere Füße auf den Weg des Friedens richte“ (Lukas 1, 79) und der die Friedensstifter seligpreist. In einem beliebten Choral heißt es: „Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.“ Der umfassende Friede unter den Menschen und Völkern bleibt genauso wie der Friede mit der Schöpfung unser Hoffnungsziel. Lassen Sie uns dafür in jeder Hinsicht eintreten.

Friedrich Selter, Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreises Göttingen

Der Himmel ganz groß - Andacht vom 26.04.2020

„Für einen Augenblick war der Himmel ganz groß.“

Das singt Dota Kehr in ihrem Lied „Der Himmel“.
Bei mir ist das manchmal auch so:
In einem kurzen Moment ist der Himmel ganz groß.
Aber eben nur in diesem kurzen Moment. Meist nicht länger.
Weil man den Augenblick und weil man den Himmel nicht festhalten kann.
Der Himmel ganz groß- oft geschieht das, wenn ich gar nicht damit rechne:

Wir sitzen zu dritt zusammen. Eigentlich geht es um etwas ganz anderes. Doch dann fließen Tränen. Ratlos und verzweifelt. Und ich weiß keinen Trost. Weil der Himmel in diesem Moment gar nicht groß ist. Sondern weit weg. Klein und nicht zu sehen.

Ich weiß keinen Trost.
„Wollen wir zusammen beten?“ – Fast überfalle ich die anderen beiden mit meiner Frage. Habe Angst davor, wie es bei ihnen ankommt.
Denn obwohl wir uns gut kennen - das haben wir noch nie gemacht.
Beten ist etwas ganz Persönliches.
Man macht sich verletzlich und angreifbar.

Doch heute ist die Not größer als die Angst. Wir beten. Ohne festgelegte Worte. Sagen das, was uns in diesem Moment wirklich wichtig ist. Es dauert nicht lange. Wir bitten um Frieden fürs Herz.
Sagen Gott, dass er die Tränen trocknen soll:
„Gott, wir brauchen Dich!“

An der Sachlage hat sich danach nichts geändert.
Die Not ist nicht kleiner.
Aber zwischen uns ist etwas anders geworden.
Und für diesen Augenblick ist der Himmel ganz groß.


Anne Dill, Vikarin in Christophorus, Roringen und Herberhausen

Ostern - Andacht vom 11.04.2020

Vogelzwitschern, überall Knospen und wir müssen zu Hause bleiben. Stillstand. Die Feiertage ohne Familienbesuch, Ausflüge, das Hereinbrechen des Lichts in der Kirche - wie soll das gehen?

Stillstand. So mögen die Freundinnen Jesu die Zeit erlebt haben nach seinem Tod. Der Traum von einer besseren Welt geplatzt. Jesus, auf dem ihre Hoffnung lag, gekreuzigt und gestorben. Nach dem Feiertag gehen sie zum Grab. Mit Duftöl für seinen Körper. Gut, etwas zu tun. Sich an praktischen Dingen festzuhalten. Wer wälzt uns den schweren Stein vom Grab?

Dann ist es anders, als sie es sich vorgestellt haben. Als wir es uns vorstellen können. „Er ist auferstanden, er ist nicht hier“. Der Grund des christlichen Glaubens widerspricht jeder Erfahrung. Die Frauen reagieren mit Zittern. Vergeblich die Worte des Engels: „Entsetzt euch nicht“. Trotzdem trägt er ihnen auf: Sagt es den Jüngern. Erzählt weiter: Jesus ist nicht im Grab, er ist mitten in der Welt.

Die Nachricht durchbricht den Stillstand, ohne die vernünftigen Regeln dieser Tage aufzuheben. Sie verbreitet sich durch Glaubende und Zweifelnde. Eine steht dem andern bei im Leben oder Sterben. Einer sitzt am Bett, schreibt einen Brief, betet, hängt einen Beutel mit Einkäufen an die Tür, näht Masken aus Stoffresten. Das Gegenprogramm zum Stillstand. Starrt nicht auf den Tod, sucht Jesus bei den Lebenden. „Dort werdet ihr ihn finden“. In jedem Menschen, jung oder alt, mit oder ohne Behinderung.

Das Glockenläuten erinnert daran. In der Nacht und am Ostermorgen. Christus ist auferstanden. So werden wir auch aufstehen für das Leben. Weitersagen!


Charlotte Scheller, Pastorin in Christophorus

Es möge besser werden - Andacht vom 05.04.2020

Corona hat uns Menschen im Griff. Die Wirtschaft steht still, das soziale Leben liegt brach. Überall kämpfen Menschen darum, dass es weitergehe. Vor allem in den systemrelevanten Berufen. Keine Pause, kein Durchatmen, und dabei ständig die Angst im Nacken.
Auf allen Kanälen hören wir: Es mag erst einmal schlimmer werden, bevor es besser wird. Wir werden Verluste erleiden, Menschen zu Grabe tragen und um sie trauern. Unsere Routinen sind weggebrochen, und wir müssen lernen, mit den rasend schnellen Veränderungen klarzukommen. Eines steht fest: Unsere Gesellschaft wird eine andere sein als zuvor. Doch das ist auch eine Chance.
Die verordnete Distanz hat uns kreativ werden lassen. Sozial sein – nur anders: nach den Nachbarn sehen, wieder mehr Telefonieren und Schreiben. „Wie geht es dir?“ ist keine Floskel mehr, sondern ernst gemeinte Nachfrage. Wir reden wieder mehr miteinander. Das macht mir Mut.


Mit dem heutigen Sonntag beginnt die Karwoche. Wir erinnern uns an den Weg, den Jesus ging. Als er in Jerusalem einritt, wurden Palmenzweige geschwungen. Freudige Gesichter begleiteten ihn, und der vielstimmige Chor jubelte ihm zu. Kurz darauf ballten die Menschen die Hände zu Fäusten, mit hasserfüllten Gesichtern schrien sie ‚kreuzigt ihn‘. Wie schnell die Stimmung doch kippen kann!

All dem zum Trotz gibt es aber auch Begegnungen mit Menschen, die sich eben gerade nicht von den rasend schnellen Veränderungen aus dem Takt bringen lassen; die unbeirrt Gutes tun. Wie die Frau, die den Todgeweihten salbt. Ein Glaubenszeichen und ein Hoffnungsbild. Es möge besser werden!

Franziska Albrecht, Pastorin St. Martini Elliehausen-Esebeck und St. Margarethen Holtensen

Wie fühlt sich Frühling an…? - Andacht vom 21.03.2020

Gestern war kalendarisch Frühlingsanfang und tatsächlich hat sich die Sonne in der letzten Woche öfter gezeigt. Die Tage werden wieder länger und die Natur bricht zu neuem Leben auf. In meinem Garten blühen Krokusse, Narzissen und Forsythien in den schönsten Farben. Die Vögel zwitschern morgens schon lautstark ihre Lieder.

Aber wie fühlt sich der Frühling in diesem Jahr an?

Viele sind in Zeiten des Coronavirus verängstigt und besorgt. Kann ich das Schöne, das Aufbrechen der Natur für neues Leben jetzt überhaupt wahrnehmen und mich daran erfreuen?

Manchen Menschen fällt das sicherlich schwer. In dem in diesen Tagen viel zitierten Wort aus dem Timotheusbrief heißt es: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Verzagtheit, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7). 

Das bedeutet, dass wir als Christen ebenso verantwortlich mit der Situation umgehen und alles tun, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken; gleichzeitig aber auch mit Gottvertrauen und Zuversicht in diesen Tagen leben und uns nicht von Ängsten leiten lassen. 

Darum möchte ich Sie ermutigen: Gehen Sie nach draußen! Machen Sie einen Spaziergang. Vielleicht suchen Sie sich eine Strecke entlang eines Sees, entlang an Bäumen und Sträuchern und lassen das auf sich wirken. In dieser Zeit, wo wir soziale Treffen auf das nötigste Beschränken sollten, ist der Frühling eine Chance, die Schönheit der Natur wieder bewusster wahrzunehmen, die sonst in unserem Alltag untergeht. 

„Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.“ (Psalm 17,8)

Mit diesen Worten können wir beten und Gott um seinen Segen bitten.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie trotz allem die Schönheit des Frühlings wahrnehmen können. Und ganz wichtig: Bleiben Sie gesund!



Michael Grabbe, Prädikant und stellv. Amtsleiter im Kirchenkreisamt Göttingen-Münden

Die Liebe in den Zeiten von Corona - Andacht vom 14.03.2020

Und plötzlich ist alles anders. Händeschütteln, Ausgehen, persönliche Treffen, Konzerte, Sportevents, selbst Gottesdienste werden problematisch. Noch steigen die Fallzahlen eher in anderen Städten, doch auch hier fallen die Aktien, stornieren die Menschen, unterbleiben die Besuche, leeren sich die Regale, bekommt die Tafel weniger ab. Es wird Zeit, sich wieder neu auf die Liebe zu besinnen. Eine Liebe, die nicht abhängig ist von Formen und Konventionen. Eine Liebe, die klug und warmherzig das Richtige zur rechten Zeit macht. Die das Leben von Risikogruppen durch eigenes Verzichten schützt. Die jetzt viel mit der eigenen Familie spricht, und mit anderen Menschen über Telefon, Skype, Mail und Netzwerken kommuniziert. Die solidarisch ist mit denen, die wirtschaftlich ums Überleben kämpfen. Die neue Ideen entwickelt, um aktives Leben zu ermöglichen. Die Mut zuspricht allen, die medizinisch das Notwendige tun. Selber zu Seelsorgerinnen und Seelsorgern werden, von der Liebe leben, und kreatives Gestalten neu einüben. Darauf kommt es doch jetzt an, in diesen Zeiten von Corona. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2. Tim 1, 7).

Ralf Reuter, Pastor der Friedenskirche Göttingen und Seelsorger für Führungskräfte der Wirtschaft

Sieh das Herz an - Andacht vom 29.01.2020

Am Freitag gibt es Zeugnisse. Zeugnisse sind wichtig. Eventuell entscheiden sie über meine Zukunft mit. Ein Urteil über mein Leben sind sie nicht.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Joe kriegt in Mathe und Bio eine fünf. Am Nachmittag passt er immer auf seine Schwestern auf. Auch wenn Fußball seine Leidenschaft ist. Er trainiert die F-Jugend. Mit Baby-Sitting verdient er sich die neuen Fußballschuhe. Später will er Profi werden. Oder Erzieher.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Lilli ist schüchtern. Mündlich ist sie mies. Egal in welchem Fach. Erst am Nachmittag blüht sie auf. Wenn sie in Papas Werkstatt das Holz riecht. Wenn die Kreissäge röhrt und die Späne fliegen. Tischlerin, das wäre was. Mit der Buche muss man nicht quatschen.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Lukas ist verliebt. Wahnsinn. Für Spanisch und Geographie hat er gerade keine Gehirnzellen frei. Sobald sie in einem Raum sind, tanzt sein Magen Mambo. Er muss es ihm sagen. Aber wie? Und dann wird nichts mehr sein, wie es war. Halbjahreszeugnis – Dreck dagegen.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Reli war im Abi meine schlechteste Note. Jetzt bin ich Pastorin. Denn …
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Tun wir es ihm nach.


Wiebke Vielhauer, Pastorin aus Waake

Bahnhofsmission. Einfach da. Seit 125 Jahren.

Im Herbst 1894 stellten sich Frauen einer Herausforderung: Den durch die Landflucht in die Stadt ziehenden Mädchen Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch zu bieten – zuerst am Berliner Ostbahnhof, dann an den Bahnhöfen in München und Hamburg. Sie begannen so – über Religions- und Konfessionsgrenzen hinweg – zu helfen. Die Bahnhofsmission war gegründet und ist bis heute an über 100 Orten in Deutschland ökumenische und soziale Einrichtung am Bahnhof.

Die Bahnhofsmission hat seither ein „Fünf-Pfennig-Tee“- und „Suppen-Küchen“-Image – bei denen, die noch nie Erfahrung mit ihr sammeln konnten. Auch der Begriff „Mission“ trägt nicht zum Gegenteil bei. Doch sieht man hin, ist die Hilfe am Bahnhof – damals wie heute – wichtig, die 365 Tage im Jahr von Ehrenamtlichen geleistet wird.
 - Wer eine Ein-, Aus- und Umstiegshilfe benötigt, teilt seine Reisedaten mit. Die Bahnhofsmission informiert die beteiligten Bahnhofsmissionen und hilft selbst beim Ein- und Aussteigen.
 - Beim aktiven Bahnsteigdienst gehen die Mitarbeitenden mit ihren typisch-blauen Westen durch den Bahnhof und bieten ihre Hilfe an. Sie geben Auskünfte, unterstützen bei Verständigungsschwierigkeiten und begleiten auf dem richtigen Weg zum Zug.
 - Mit dem Kinderreiseprogramm „Kids on Tour“ werden freitags und sonntags allein reisende Kinder begleitet.
 - Für Menschen, die sich im Bahnhof aufhalten, gibt es einen Platz zum Ausruhen, ein Getränk, etwas zu essen und Zeit für Gespräche. Sie bekommen in der konkreten Situation das, was „notwendig“ ist: sofort – ohne Anmeldung – ohne Voraussetzungen erfüllen zu müssen – gratis.
 Wenn diese Hilfe nicht ausreicht, greift die Bahnhofsmission auf ein Netzwerk zurück, die der Diakonieverband, die Caritas, der Kirchenkreis Göttingen, die katholische Kirche sowie Stadt und Landkreis Göttingen vorhalten.

Wenn es ausweglos scheint: Die Bahnhofsmission weiß einen Weg:
BAHNHOFS-MISSION NOT IMPOSSIBLE!


Diakon Andreas Overdick, Leiter der Bahnhofsmission in Göttingen