Kirchenkreis Göttingen

An-ge-dacht

Es möge besser werden - Andacht vom 05.04.2020

Corona hat uns Menschen im Griff. Die Wirtschaft steht still, das soziale Leben liegt brach. Überall kämpfen Menschen darum, dass es weitergehe. Vor allem in den systemrelevanten Berufen. Keine Pause, kein Durchatmen, und dabei ständig die Angst im Nacken.Auf allen Kanälen hören wir: Es mag erst einmal schlimmer werden, bevor es besser wird. Wir werden Verluste erleiden, Menschen zu Grabe tragen und um sie trauern. Unsere Routinen sind weggebrochen, und wir müssen lernen, mit den rasend schnellen Veränderungen klarzukommen. Eines steht fest: Unsere Gesellschaft wird eine andere sein als zuvor. Doch das ist auch eine Chance.Die verordnete Distanz hat uns kreativ werden lassen. Sozial sein – nur anders: nach den Nachbarn sehen, wieder mehr Telefonieren und Schreiben. „Wie geht es dir?“ ist keine Floskel mehr, sondern ernst gemeinte Nachfrage. Wir reden wieder mehr miteinander. Das macht mir Mut.

Mit dem heutigen Sonntag beginnt die Karwoche. Wir erinnern uns an den Weg, den Jesus ging. Als er in Jerusalem einritt, wurden Palmenzweige geschwungen. Freudige Gesichter begleiteten ihn, und der vielstimmige Chor jubelte ihm zu. Kurz darauf ballten die Menschen die Hände zu Fäusten, mit hasserfüllten Gesichtern schrien sie ‚kreuzigt ihn‘. Wie schnell die Stimmung doch kippen kann!

All dem zum Trotz gibt es aber auch Begegnungen mit Menschen, die sich eben gerade nicht von den rasend schnellen Veränderungen aus dem Takt bringen lassen; die unbeirrt Gutes tun. Wie die Frau, die den Todgeweihten salbt. Ein Glaubenszeichen und ein Hoffnungsbild. Es möge besser werden!

Franziska Albrecht, Pastorin St. Martini Elliehausen-Esebeck und St. Margarethen Holtensen

Wie fühlt sich Frühling an…? - Andacht vom 21.03.2020

Gestern war kalendarisch Frühlingsanfang und tatsächlich hat sich die Sonne in der letzten Woche öfter gezeigt. Die Tage werden wieder länger und die Natur bricht zu neuem Leben auf. In meinem Garten blühen Krokusse, Narzissen und Forsythien in den schönsten Farben. Die Vögel zwitschern morgens schon lautstark ihre Lieder.

Aber wie fühlt sich der Frühling in diesem Jahr an?

Viele sind in Zeiten des Coronavirus verängstigt und besorgt. Kann ich das Schöne, das Aufbrechen der Natur für neues Leben jetzt überhaupt wahrnehmen und mich daran erfreuen?

Manchen Menschen fällt das sicherlich schwer. In dem in diesen Tagen viel zitierten Wort aus dem Timotheusbrief heißt es: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Verzagtheit, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7). 

Das bedeutet, dass wir als Christen ebenso verantwortlich mit der Situation umgehen und alles tun, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken; gleichzeitig aber auch mit Gottvertrauen und Zuversicht in diesen Tagen leben und uns nicht von Ängsten leiten lassen. 

Darum möchte ich Sie ermutigen: Gehen Sie nach draußen! Machen Sie einen Spaziergang. Vielleicht suchen Sie sich eine Strecke entlang eines Sees, entlang an Bäumen und Sträuchern und lassen das auf sich wirken. In dieser Zeit, wo wir soziale Treffen auf das nötigste Beschränken sollten, ist der Frühling eine Chance, die Schönheit der Natur wieder bewusster wahrzunehmen, die sonst in unserem Alltag untergeht. 

„Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.“ (Psalm 17,8)

Mit diesen Worten können wir beten und Gott um seinen Segen bitten.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie trotz allem die Schönheit des Frühlings wahrnehmen können. Und ganz wichtig: Bleiben Sie gesund!


Michael Grabbe, Prädikant und stellv. Amtsleiter im Kirchenkreisamt Göttingen-Münden

Die Liebe in den Zeiten von Corona - Andacht vom 14.03.2020

Und plötzlich ist alles anders. Händeschütteln, Ausgehen, persönliche Treffen, Konzerte, Sportevents, selbst Gottesdienste werden problematisch. Noch steigen die Fallzahlen eher in anderen Städten, doch auch hier fallen die Aktien, stornieren die Menschen, unterbleiben die Besuche, leeren sich die Regale, bekommt die Tafel weniger ab. Es wird Zeit, sich wieder neu auf die Liebe zu besinnen. Eine Liebe, die nicht abhängig ist von Formen und Konventionen. Eine Liebe, die klug und warmherzig das Richtige zur rechten Zeit macht. Die das Leben von Risikogruppen durch eigenes Verzichten schützt. Die jetzt viel mit der eigenen Familie spricht, und mit anderen Menschen über Telefon, Skype, Mail und Netzwerken kommuniziert. Die solidarisch ist mit denen, die wirtschaftlich ums Überleben kämpfen. Die neue Ideen entwickelt, um aktives Leben zu ermöglichen. Die Mut zuspricht allen, die medizinisch das Notwendige tun. Selber zu Seelsorgerinnen und Seelsorgern werden, von der Liebe leben, und kreatives Gestalten neu einüben. Darauf kommt es doch jetzt an, in diesen Zeiten von Corona. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2. Tim 1, 7).

Ralf Reuter, Pastor der Friedenskirche Göttingen und Seelsorger für Führungskräfte der Wirtschaft

Sieh das Herz an - Andacht vom 29.01.2020

Am Freitag gibt es Zeugnisse. Zeugnisse sind wichtig. Eventuell entscheiden sie über meine Zukunft mit. Ein Urteil über mein Leben sind sie nicht.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Joe kriegt in Mathe und Bio eine fünf. Am Nachmittag passt er immer auf seine Schwestern auf. Auch wenn Fußball seine Leidenschaft ist. Er trainiert die F-Jugend. Mit Baby-Sitting verdient er sich die neuen Fußballschuhe. Später will er Profi werden. Oder Erzieher.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Lilli ist schüchtern. Mündlich ist sie mies. Egal in welchem Fach. Erst am Nachmittag blüht sie auf. Wenn sie in Papas Werkstatt das Holz riecht. Wenn die Kreissäge röhrt und die Späne fliegen. Tischlerin, das wäre was. Mit der Buche muss man nicht quatschen.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Lukas ist verliebt. Wahnsinn. Für Spanisch und Geographie hat er gerade keine Gehirnzellen frei. Sobald sie in einem Raum sind, tanzt sein Magen Mambo. Er muss es ihm sagen. Aber wie? Und dann wird nichts mehr sein, wie es war. Halbjahreszeugnis – Dreck dagegen.
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Reli war im Abi meine schlechteste Note. Jetzt bin ich Pastorin. Denn …
Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Tun wir es ihm nach.


Wiebke Vielhauer, Pastorin aus Waake

Bahnhofsmission. Einfach da. Seit 125 Jahren.

Im Herbst 1894 stellten sich Frauen einer Herausforderung: Den durch die Landflucht in die Stadt ziehenden Mädchen Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch zu bieten – zuerst am Berliner Ostbahnhof, dann an den Bahnhöfen in München und Hamburg. Sie begannen so – über Religions- und Konfessionsgrenzen hinweg – zu helfen. Die Bahnhofsmission war gegründet und ist bis heute an über 100 Orten in Deutschland ökumenische und soziale Einrichtung am Bahnhof.

Die Bahnhofsmission hat seither ein „Fünf-Pfennig-Tee“- und „Suppen-Küchen“-Image – bei denen, die noch nie Erfahrung mit ihr sammeln konnten. Auch der Begriff „Mission“ trägt nicht zum Gegenteil bei. Doch sieht man hin, ist die Hilfe am Bahnhof – damals wie heute – wichtig, die 365 Tage im Jahr von Ehrenamtlichen geleistet wird.
 - Wer eine Ein-, Aus- und Umstiegshilfe benötigt, teilt seine Reisedaten mit. Die Bahnhofsmission informiert die beteiligten Bahnhofsmissionen und hilft selbst beim Ein- und Aussteigen.
 - Beim aktiven Bahnsteigdienst gehen die Mitarbeitenden mit ihren typisch-blauen Westen durch den Bahnhof und bieten ihre Hilfe an. Sie geben Auskünfte, unterstützen bei Verständigungsschwierigkeiten und begleiten auf dem richtigen Weg zum Zug.
 - Mit dem Kinderreiseprogramm „Kids on Tour“ werden freitags und sonntags allein reisende Kinder begleitet.
 - Für Menschen, die sich im Bahnhof aufhalten, gibt es einen Platz zum Ausruhen, ein Getränk, etwas zu essen und Zeit für Gespräche. Sie bekommen in der konkreten Situation das, was „notwendig“ ist: sofort – ohne Anmeldung – ohne Voraussetzungen erfüllen zu müssen – gratis.
 Wenn diese Hilfe nicht ausreicht, greift die Bahnhofsmission auf ein Netzwerk zurück, die der Diakonieverband, die Caritas, der Kirchenkreis Göttingen, die katholische Kirche sowie Stadt und Landkreis Göttingen vorhalten.

Wenn es ausweglos scheint: Die Bahnhofsmission weiß einen Weg:
BAHNHOFS-MISSION NOT IMPOSSIBLE!


Diakon Andreas Overdick, Leiter der Bahnhofsmission in Göttingen