Forum Kirche und Diakonie in Göttingen wird am 24. Juni offiziell eröffnet

Sat, 18 Jun 2022 22:15:00 +0000 von Jeanine Rudat

Am 24. Juni eröffnet der Kirchenkreis Göttingen im Rahmen seines Sommerempfangs am Johannistag offiziell das Forum Kirche und Diakonie.
 
2016 fasste die Kirchenkreissynode, das oberste Leitungsgremium, in der alle Regionen des Kirchenkreises vertreten sind, den Beschluss für den Bau zwischen Groner Tor und Neustadt. Den anonymen Architektenwettbewerb, der europaweit ausgeschrieben wurde, konnte das Architekturbüro ahrens & grabenhorst aus Hannover für sich entscheiden. Das Gelände mit der St. Marienkirche und der Kommende, einer alten Klosteranlage, auf der einen Seite und dem 70er Jahre Parkhaus auf der anderen Seite war für die Architekt:innen sehr spannend und gleichzeitig auch eine Herausforderung Neuzeit und historische Gebäude zu einem schönen und nutzbaren Ensemble zu vereinen, erinnert sich Prof. Gesche Grabenhorst. Um die Gebäude, auch von der Geschosslage, zu verbinden, haben sie eine Dachlandschaft konstruiert. Damit griffen sie die Gemeinschaft der vielen Institutionen im Haus städtebaulich auf. Das Forum soll aber nicht nur für seine Bewohner:innen eine Einheit bilden, sondern sich auch mit der Stadt Göttingen verzahnen. „Drei Durchgänge empfangen die Besucher:innen in diesem offenen Forum. Es gibt diese steinerne Hülle nach außen und es gibt den grünen Innenhof, der sich in einer weichen Landschaft entwickelt und für ganz unterschiedliche Nutzungen geschaffen sein soll“, so Grabenhorst. Darunter ein Spielplatz und Verweilplätze für Mitarbeitende und Besucher:innen. „Wenn man hier rausguckt und auf der einen Seite die historische Kirche sieht und auf der anderen Seite die Zeitachse plötzlich in ein völlig anderes Jahrhundert springt – das ist das, was die Spannung ausmacht und was Kirche auch weiterleben lässt“, freut sich Grabenhorst.
 
450.000 Euro haben allein die archäologischen Grabungen vorab gekostet und neun Monate gedauert. Dafür habe man aber einige interessante Fundstücke ans Licht geholt, erinnert sich Projektleiter Peter Friele vom Kirchenkreisamt Göttingen-Münden. „Wir haben viele Steine ausgegraben, Mauerreste gefunden, aber auch so kleine Highlights, wie eine Jesusfigur, eine Blockflöte aus dem Mittelalter, die in ihrer Art sehr einzigartig ist, und natürlich viele Scherben, Keramik und Töpfe gefunden.“   Insgesamt hat der Bau mit 4.200 Quadratmetern Nutzfläche rund 13,5 Millionen Euro gekostet und drei Jahre gedauert.
 
Der Geschäftsführer des Diakonieverbands, Jörg Mannigel, bezeichnet den Bau als „Quantensprung“ und das nicht nur in Sachen Klimaschutz und Barrierefreiheit. Zuvor seien seine Einrichtungen im ganzen Stadtgebiet verteilt gewesen. Durch die jetzige Konzentration an einem Standort, bis auf die Bahnhofsmission und die Straßensozialarbeit, ergäben sich gute Synergieeffekte. „Schön ist zum Beispiel, wenn wir sehen, dass im Bereich einer suchttherapeutischen Maßnahme auch Menschen mit Migrationshintergrund dieses Angebot in Anspruch nehmen. Es ist jetzt nicht mehr notwendig, sie vom Migrationszentrum bis zur Fachstelle Sucht und Sichtprävention durch die ganze Stadt zu schicken, sondern wir können uns hier relativ schnell die Person auch überweisen. Wir können uns austauschen, wir können bei Präventionsmaßnahmen schauen, wer sind die Zielgruppen, die wir erreichen wollen. Das ist ein Beispiel, wie hier zukünftig zusammengearbeitet wird.“ Ein weiteres Beispiel seien Projekte. Diese werden, so ist sich Mannigel sicher, nicht mehr nur mit einer Kompetenz zu bespielen sein, sondern mehrere Fachkräfte aus unterschiedlichen Einrichtungen werden sich dafür zusammenschließen.
 
Eine stärkere Zusammenarbeit wird aber nicht nur zwischen den Diakonieeinrichtungen untereinander, wie der Demenzhilfe, dem Migrationszentrum, der Fachstelle für Sucht- und Suchtprävention, der Krebsberatungsstelle sowie der Kirchenkreissozialarbeit und Lebensberatung angestrebt, sondern auch mit den selbständigen Institutionen des Kirchenkreises Göttingen, wie der Ev. Familien-Bildungsstätte Göttingen, sowie den externen Mietern, wie dem Theologischen Studienhaus, der Ethik-, Vorsorge- und Palliativberatung und der Diakonie Christophorus mit seinen acht Apartments für volljährige Menschen mit einer drohenden oder wesentlichen körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigung oder einer psychischen Erkrankung, die zur selbstständigen Lebensführung auf lebenspraktische und fachpädagogische Unterstützung angewiesen sind.
 
Dr. Frank Uhlhorn, Superintendent des Kirchenkreises Göttingen, sieht im Forum Kirche und Diakonie mehr als nur ein Gebäude, in dem verschiedene Institutionen untergebracht sind: „Wir haben es als Kirche geschafft, deutlich zu machen, was evangelische Kirche, nicht nur für sich selbst, sondern für die Gesellschaft auch sein will. Dass wir den Menschen, die Hilfe brauchen, die Drogenberatung brauchen, die aus dem Ausland hierherkommen und Asyl beantragen, dass wir für Familien mit Kindern da sind, das wir zeigen können, wir haben einen Platz an dieser Stelle, wir haben einen Ort hier in dieser Stadt, an dem wir als Kirche sichtbar sind, indem, was wir für andere tun. Kirche für andere, das ist mein Stichwort. Und das ist hier sehr präsent in diesem Gebäude.“
 
Beginn des Sommerempfangs mit Eröffnung des Forums Kirche und Diakonie ist um 15 Uhr mit einem Gottesdienst in der St. Marienkirche. Anschließend haben die Besucher:innen die Möglichkeit das Forum Kirche und Diakonie zu besichtigen, eine Ausstellung in der St. Marienkirche über den Bau des Forums zu besuchen und bei Speis und Trank miteinander ins Gespräch zu kommen.
Quelle: Jeanine Rudat