Suchtberatung informiert LKW-Fahrende am Glücksspielsuchttag

Tue, 28 Sep 2021 22:00:00 +0000 von Jeanine Rudat

Zum Aktionstag Glücksspielsucht unter dem Motto „Volle Kraft voraus – Glücksspielfrei on tour!“ informiert die Göttinger Fachstelle für Sucht und Suchtprävention im Diakonieverband des Kirchenkreises Göttingen heute (29.09.) LKW-Fahrende über die Gefahren des Glückspiels.
 
„Keine Autobahnraststätte ohne Geldspielgeräte und kein Autohof ohne angeschlossene Spielstätte. Diese Angebote sind besonders für LKW-Fahrende, die auf ihrer Tour lange Pausenzeiten überbrücken müssen, verführerisch. Aber auch unterwegs im Stau lassen sich per Handy leicht Sportwetten setzen und auf Glücksspiel-Apps zocken. Die Werbung suggeriert großartige Möglichkeiten für LKW-Fahrende, sich zu entspannen und etwas Spaß zu haben, bei denen sogar vielleicht etwas Geld gewonnen werden kann“, erläutert Kristin Otte von der Göttinger Fachstelle für Sucht und Suchtprävention die Gefahren für die Trucker:innen.
 
Um die LKW-Fahrenden zu sensibilisieren, hat Otte mit Hilfe von Sponsoren, wie der Göttinger Sparkasse, Beckers Bester und der Göttinger Müsli Company, 150 Info-Tüten zusammengestellt. Darin finden die Trucker:innen Saft, Müsliriegel, Taschentücher sowie Informationsmaterialien in vielen Sprachen zum Thema Glücksspielen und Hilfemöglichkeiten.

„Wir wollen auf die Risiken des Glücksspielens gezielt für LKW-Fahrende aufmerksam machen und auf unterschiedliche Beratungsangebote hinweisen. Bei Fragen zum eigenen Glücksspielverhalten steht die Suchtberatung allen kostenfrei, vertraulich und auf Wunsch anonym zur Verfügung“, so Otte.
 
Marketing- und Personalentwicklungsleiter der Göttinger Spedition Krüger, Dennie Klose, nahm zusammen mit zwei Auszubildenden und zwei LKW-Fahrern 90 Tüten für sein Unternehmen entgegen. Er unterstützt die Aktion der insgesamt 24 niedersächsischen Suchtberatungsstellen gerne. „Glücksspielsucht ist ein wichtiges Thema, vor dem man nicht die Augen verschließen sollte. Durch die Informationsmaterialien sind unsere Fahrer:innen sensibilisiert und können so auch anderen unterwegs Hilfestellung leisten und über Beratungsangebote informieren.“
 
Der Aktionstag Glücksspielsucht findet in diesem Jahr zum 11. Mal statt. Immer am letzten Mittwoch im September wird mit besonderen Angeboten die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert und auf die Präventions- und Beratungsangebote aufmerksam gemacht werden. 
 
In Niedersachsen können rund 45.000 Menschen als glücksspielsüchtig bzw. -suchtgefährdet bezeichnet werden.[1] In Göttingen suchten im Jahr 2020 63 Personen wegen einer Glücksspielproblematik die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention auf. Es wurden 324 Beratungsgespräche geführt, welche sowohl telefonisch als auch persönlich stattfanden. 49 Männer und 14 Frauen kamen zur Beratung, davon waren 47 betroffene Männer und 7 betroffene Frauen. Die überwiegend angegebene Spielform waren die Automatenspiele in den Spielhallen. Neben den betroffenen Personen kamen 9 Angehörige, 7 Frauen und 2 Männer, zu Einzelgesprächen, die sich ohne die betroffenen Glücksspieler:innen beraten ließen. Es ist anzumerken, dass Glücksspielende zum Erstgespräch meist gemeinsam mit einem Angehörigen, bspw. Elternteil, Geschwister oder Partner:in, kommen. In diesem Fall werden nur die Betroffenen selbst gezählt.


[1] Abgeleitet aus den Zahlen von: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (2020). Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland: Ergebnisse des Surveys 2019 und Trends. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Quelle: Jeanine Rudat
v.l.: Silvan Gerlach, Dennie Klose, David Schneider, Enes Özel, Mariano Theune und Kristin Otte