Ev.-luth. Kirchenkreise Göttingen und Münden schließen sich zusammen

Fri, 16 Jul 2021 11:42:15 +0000 von Jeanine Rudat

Gemeinsam für eine starke Kirche in Südniedersachsen: Die Ev.-luth. Kirchenkreise Göttingen und Münden schließen sich zum 01.01.2023 zusammen. Nachdem Münden bereits am 30. Juni 2021 grünes Licht gegeben hatte, haben gestern (15.07.) auch die Mitglieder der Göttinger Kirchenkreissynode mit großer Mehrheit für ein Zusammengehen gestimmt.

Für eine Übergangszeit bis zum Ende der Legislaturperiode 2024 tagen beide Synoden (Münden: 56, Göttingen: 78 Mitglieder) gemeinsam. Ab 2025 besteht die neu gewählte Synode aus 63 Mitgliedern (plus Berufungen etc.). Dabei wird sichergestellt, dass jede Region des Kirchenkreises in der Synode vertreten ist.

„Münden ist mit rund 20.000 Mitgliedern und bei sinkenden Mitgliederzahlen zu klein, um in Zukunft alleine bestehen zu können“, erläutert der stellvertretende Kirchenkreissynoden-Vorsitzende Andreas Risse die Beweggründe seines Kirchenkreises. „So haben wir vor vier Jahren begonnen, nach Perspektiven zu suchen. Da unserer Diakonisches Werk und der Diakonieverband Göttingen bereits gut kooperiert haben, hat sich schnell die Frage gestellt, ob es nicht auch in anderen Bereichen gemeinsam mit dem Nachbar-Kirchenkreis besser geht. Und es hat sich gezeigt, dass wir in allen Arbeitsbereichen vor ähnlichen Herausforderungen stehen – und eine ähnliche Vision von evangelisch-lutherischer Kirche in Südniedersachsen haben.“

Das habe sich vor allem in den Treffen der neu gebildeten Ausschüsse sowie der Kirchenkreis- und der beiden Kirchenkreissynodenvorstände herauskristallisiert, ergänzt Gunda-Marie Meyer, Kirchenkreissynoden-Vorsitzende in Göttingen: „Die Diskussionen bei uns über einen Zusammenschluss mit Münden habe ich als lebendig und durchaus kontrovers empfunden, aber im Ergebnis waren sie einhellig - und zwar einhellig hinsichtlich der Meinung, ein gesamtkirchliches Interesse zu sehen und zu verfolgen. Kirchenkreisgrenzen sind historisch entstanden, aber kein Richtwert für glaubensstärkende Maßnahmen, und kirchliche Angebote kann man am besten im gemeinsamen Schulterschluss abdecken.“

Da ist sich auch Mündens Superintendent Thomas Henning sicher. Schon jetzt sei es nicht leicht, Menschen zu finden, die in Ausschüssen und Projekten mitarbeiten wollen oder Beauftragungen übernehmen möchten. Der Zusammenschluss werde diese Situation deutlich entspannen, „weil wir zum Beispiel nach den nächsten Wahlen keine doppelten Gremien mehr benötigen.“ Eine andere große Herausforderung stelle die Kürzungsvorgabe der Landessynode der Landeskirche dar. Alle Kirchenkreise müssen ab 2023 mit zwei Prozent weniger Finanzausstattung pro Jahr auskommen. „Wenn Sie sich vorstellen, dass 2028 jeder achte Euro nicht mehr zur Verfügung stehen wird, ahnen Sie, dass sich unsere Kirche verändern wird. Hier wollen wir gemeinsam daran arbeiten, dass sie auch zukünftig nah bei den Menschen sein kann. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in der Kirche immer stärker vernetzen müssen, damit Lösungen im Verbund gefunden und gelebt werden.“

Wichtig für Münden und Göttingen ist die Beibehaltung beider Superintendenturen. „Für uns bietet dies die Chance, das ephorale Amt neu zu denken“, erklärt die kommissarische Superintendentin des Kirchenkreises Göttingen, Wiebke Vielhauer. „Dadurch, dass künftig zwei Superintendenten, Thomas Henning und Dr. Frank Uhlhorn, der gestern (15.07.) gerade frisch gewählt wurde, auf diesem Weg gemeinsam unterwegs sind, können kreativere Ideen entstehen als im Alleingang - ähnlich wie das bei den Ehrenamtlichen und der Verwaltung der beiden Kirchenkreise jetzt schon der Fall ist.“ Eine klare inhaltliche und geografische Zuordnung der Aufgabenbereiche werde dabei dafür sorgen, dass alle Menschen im gemeinsamen Kirchenkreis wissen, wer für welchen Bereich zuständig ist, „beziehungsweise, dass man diese Zuständigkeit mit einem Klick oder einem Anruf klären kann. Zugleich wird die ephorale Ebene so deutlich flexibler, wenn es darum geht, sich gegenseitig kompetent zu vertreten.“

Auf der Verwaltungsebene ist der Zusammenschluss von Münden und Göttingen bereits erfolgt. 2003 haben sich die Kirchenkreisämter zum Kirchenkreisamt Göttingen-Münden mit Sitz in Göttingen zusammengeschlossen. Zusammen betreut das Kirchenkreisamt Göttingen-Münden: 71 Kirchen- und Kapellengemeinden, sieben Kirchengemeindeverbände, drei Arbeitsgemeinschaften der Gemeinden, 48 Kindertagesstätten mit über 3.000 Betreuungsplätzen, 45 Friedhöfe, sechs Stiftungen und zwei Kirchenkreise mit rund 90.000 Kirchengliedern und ca. 1.350 Mitarbeitenden.
Quelle: Jeanine Rudat
v.l.: Andreas Risse, Wiebke Vielhauer, Thomas Henning und Gunda Marie-Meyer