Kirchenkreis Göttingen feiert Richtfest des Forums Kirche und Diakonie

Mon, 02 Nov 2020 07:01:24 +0000 von Jeanine Rudat

Der Kirchenkreis Göttingen hat am Freitag, dem 30. Oktober, Richtfest des Forums Kirche und Diakonie gefeiert. Der Zimmerermeister Thorsten Wald brachte den traditionellen Richtspruch „Mit Gunst und Verlaub“ unter dem Richtkranz aus. Auf Grund von Corona verschoben, legte Superintendent Friedrich Selter kurz zuvor auch noch den Grundstein für den Gebäudekomplex an der Marienkirche.
 
Auf rund 2.700 Quadratmetern an der Neustadt 21 entsteht ein gemeinsames Haus für verschiedene Einrichtungen der Diakonie Göttingen, wie dem Migrationszentrum, der Fachstelle für Sucht- und Suchtprävention, der Kirchenkreissozialarbeit und Lebensberatung sowie der Geschäftsstelle des Diakonieverbandes. Weitere Abteilungen, wie die Straßensozialarbeit und selbstredend die Bahnhofsmission bleiben an ihrem bisherigen Ort. Außerdem zieht die Ev. Familien-Bildungsstätte (FaBi) in eine komplette Etage des Neubaus ein. In einem der attraktivsten Bereiche des Forums mit Blick über die Altstadt bis in den Stadtwald entstehen acht Appartements für Menschen mit besonderem Förderungsbedarf der Diakonie Christophorus. Der Süd-Westflügel, der an die historische Kommende anschließt, wird das neue Evangelische Studienhaus, eine Einrichtung der Landeskirche, in dem Pastorinnen und Pastoren, für ein Studiensemester in Göttingen wohnen und lernen.
 
Den Plan für ein gemeinsames Haus von Kirche und Diakonie gab es schon lange, wie Selter in seiner Rede erläuterte: „Im September 2011 legte eine Arbeitsgruppe des Kirchenkreises eine programmatische Broschüre vor: ´Diakonie in Göttingen 2020 – Grundlagen und Perspektiven diakonischer Arbeit im Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen.´ Ein Kapitel dieser Broschüre trägt die Überschrift: ´Es gibt ein Diakonie-Gebäude in der Innenstadt.´“ Damals war es besonders der leider bereits verstorbene frühere Diakoniepastor, Martin Steinberg, der diese mutige Schlagzeile prägte. Schon lange habe der Kirchenkreis den Wunsch gehegt, die im Stadtgebiet disparat in angemieteten Räumen untergebrachten Beratungsstellen und Einrichtungen des Diakonieverbandes in einem gemeinsamen eigenen Gebäude unterzubringen. Synergiemöglichkeiten zwischen den Abteilungen und Fachgebieten, Zeitgemäßheit sowie ökonomische Vorteile waren pragmatische Gründe dafür. „Aber auch schon damals waren diese mit dem Ziel verbunden, Evangelische Kirche in Göttingen mit einem umfassenden Kompetenzzentrum sichtbar zu machen. Ich bin glücklich darüber, dass der Kirchenkreistag mit großer Mehrheit trotz der finanziellen Risiken den Bau dieses Forums beschlossen hat. Er hat damit ein deutliches Zeichen dafür gesetzt, dass für ihn Kirche und Diakonie, untrennbar zusammengehören. Dankbarkeit empfinde ich gegenüber den vielen Mitarbeitenden, die ihre Kraft und ihr Können in dieses Projekt stecken, und auch gegenüber denen, die für ein gutes Gelingen beten. Und schließlich hoffe ich darauf, dass Gott seinen Segen dazugibt, damit Menschen hier Rat, Trost und Hilfe erfahren und dabei merken, dass es gut ist, als Christin und Christ in unserer Zeit zu leben.“
 
Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt freute sich über die grüne Oase, die mitten in der Stadt entsteht. Mit Spielbereich und Freifläche werde das Forum das jahrelang brachgelegene Gebiet am Groner Tor merklich aufwerten. „Das Forum Kirche und Diakonie wird ein leuchtender Stern für alle Göttinger werden, die Beratung und Hilfe brauchen“. Auch Kreisrat Marcel Riethig betonte dessen Bedeutung und verglich den Neubau mit einem leuchtenden Stern im Herzen des Landkreises: „Möge dieses Haus vielen Menschen Zuversicht geben.“
 
Der Gebäudekomplex hat ein Finanzvolumen von zwölf Millionen Euro. Finanziert wird der Bau aus Mitteln des Kirchenkreises Göttingen, der hannoverschen Landeskirche sowie eines Darlehens. So wünschte auch der Kreditgeber, der Vorstandsvorsitzende der Göttinger Sparkasse Rainer Hald, viel Erfolg für die künftige Nutzung.
 
Im August oder September kommenden Jahres, soll der Bau abgeschlossen sein, erläuterte Projektleiter Peter Friele. Nach einem anonymen Architektenwettbewerb, den ahrens & grabenhorst gewonnen hatten, fanden 2018 archäologische Grabungen statt, die zu leichten Verzögerungen im Bau führten, da viel mehr gefunden wurde, als vermutet. 2019 wurde dann mit dem Spezialtiefbau begonnen und im Januar dieses Jahres mit dem Rohbau. Mit dem Richtfest beginnt nun der Innenausbau und bis Weihnachten soll das Gebäude dicht sein. Friele machte deutlich, wie wichtig es dem Kirchenkreis war, Firmen aus der Region für das Projekt zu gewinnen und dankte allen Handwerksbetrieben und den Architekten.