Neuer Pastor im Grenzdurchgangslager Friedland

Mon, 24 Aug 2020 14:36:15 +0000 von Jeanine Rudat

Torsten-Wilhelm Wiegmann ist ab dem 01. September 2020 neuer Pastor im Grenzdurchgangslager Friedland. Außerdem wird er Geschäftsführer der dort tätigen Inneren Mission/Evangelisches Hilfswerk e.V. Er folgt auf Pastor Thomas Harms, der nach drei Jahren, Ende 2019, als Vorsteher zur Diakonie Christophorus nach Göttingen wechselte.
 
Superintendent Friedrich Selter, der auch Vorsitzender der Inneren Mission ist, zeigte sich erfreut darüber, dass die Stelle nach acht Monaten Vakanz wieder neu vergeben ist: „Friedland ist für Menschen, die als Spätaussiedler, Migranten oder Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ein wichtiger Ort. Oft finden hier die ersten intensiven Begegnungen mit einem Land statt, in dem Freiheit und Gleichberechtigung, sowie Demokratie und Wohlfahrt gewährleistet sind. Das wir als Kirche seit 75 Jahren im Lager präsent sind, ist etwas ganz Besonderes. Das gibt es in vergleichbaren Einrichtungen so nicht. Aber hier gehört Kirche in Gestalt der Inneren Mission, der alten Bezeichnung für Diakonie, fest dazu. Der Lagerpastor wird durchaus auf Fragen des Glaubens und der religiösen Orientierung angesprochen und sucht von sich aus die Menschen auf. Er ist auch für die Mitarbeitenden des Lagers, der Landesaufnahmebehörde und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zuständig. Als Geschäftsführer ist er Dienstherr von 20 Mitarbeitenden, die in verschiedenen Beratungsbüros, der Kinderbetreuung, der Vorschule, dem Frauenzentrum, der Einkleidung und im Büro arbeiten. Ein wirklich tolles Team.“

Wiegmann kümmert sich als Lagerpastor um ankommende Menschen, vermittelt Orientierung, hält Gottesdienste und führt Amtshandlungen durch. Bisher war der 55-Jährige Schulpastor am Paul-Gerhardt-Gymnasium in Dassel und Schulbeauftragter der Landeskirche für die Region. Vorher hat er viele Jahre vier Dorfgemeinden zwischen Northeim und Einbeck betreut.
 
Über seine neue Aufgabe in Friedland sagt er: „Gerade hier wird für mich das diakonische Profil sichtbar, das uns als Kirche ausmacht. In der Ortsgemeinde feiern wir miteinander Gottesdienst, in der Schule sind wir als Lernende gemeinsam unterwegs, im Lager Friedland wie in allen Einrichtungen der Diakonie sind wir füreinander da. Diese drei Bereiche zusammen zeigen, was Kirche ist. Und nachdem ich schon in der Ortsgemeinde und in der Schule arbeiten durfte, freue ich mich sehr auf die Herausforderung in diesem Arbeitsfeld, wo Feiern, Lernen und Helfen ineinandergreifen.“
 
Auf die Frage, welche Schwerpunkte er setzen will, winkt Wiegmann zuerst ab: „Selbstverständlich will ich zunächst einmal Augen und Ohren aufsperren, aufmerksam wahrnehmen, was gut läuft und wo es hakt, gerade in der aktuellen Situation der Corona-Pandemie.“ Aber ein paar Stichworte nennt er auch: „Menschen, die schon vor Jahren im Lager ankamen, Geflüchtete wie Spätaussiedler, berichten von der Sicherheit und der Offenheit, die sie hier empfunden haben. Diese Atmosphäre wollen wir erhalten und weiter gestalten.“ Für die Mitarbeitenden sind die Schicksale, denen sie im Lager Friedland begegnen, oft eine besondere Belastung, die für Wiegmann nach aufmerksamer seelsorglicher Begleitung verlangt. Und neben Gesprächen und Begegnungen mit Einzelnen sieht er auch in den regelmäßigen Andachten und besonderen Gottesdiensten gute Gelegenheiten zum Innehalten und Auftanken für die Seele.
Quelle: Innere Mission