Kirchenkreis Göttingen

Migrationszentrum Göttingen für ein deutliches Signal gegen Rassismus

Fri, 06 Mar 2020 13:52:34 +0000 von Jeanine Rudat

Das Migrationszentrum für Stadt und Landkreis Göttingen hat sich für den 8. Mai als gesetzlichen Feiertag gegen Rassismus ausgesprochen.
 
„Das Ende der systematischen Vernichtung der Jüdinnen und Juden Europas, der Sinti und Roma, der massenhaften Ermordung von Andersdenkenden, von Menschen mit Behinderung sowie nicht heterosexuellen Menschen und von Kriegsgefangenen sollte spätestens anlässlich des 75. Jahrestages einen gesetzlichen Feiertag wert sein“, so Leiterin Zeliha Karaboya. Die zuletzt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aufgegriffene Forderung, den 8. Mai auch in Niedersachsen, zumindest einmalig 2020, als gesetzlichen Feiertag zu begehen, sei nicht zuletzt angesichts der jüngsten rassistischen Terroranschläge in Halle und Hanau richtig und wichtig.
 
„Tag für Tag werden Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer vermeintlichen Religion oder anderer Zuschreibungen in allen Lebensbereichen abgewertet, ausgegrenzt und immer öfter angegriffen, verletzt oder getötet. Rassismus verneint die Gleichwertigkeit aller Menschen und geht daher uns alle an. Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Menschenfeindlichkeitstellen Angriffe auf unsere Demokratie, unseren Frieden und unsere Freiheit dar. Die Gefahr, dass der Faschismus in Zeiten von auch vermeintlichen Krisen und sich zuspitzenden sozialen Verhältnissen wieder eine Herrschaftsoption werden kann, ist allgegenwärtig. Der 8. Mai als Tag des Sieges über den Faschismus sollte daher nun erst recht durch die Anhebung zu einem gesetzlichen Feiertag statt eines Gedenktages eine starke symbolische Bedeutung erhalten.“
 
Bezogen auf die derzeitige Debatte um die Flüchtlingssituation in Griechenland sagte Karaboya: „Die aktuelle Flüchtlingspolitik Deutschlands und der EU wird maßgeblich von Angst gesteuert: Europäische und deutsche Politiker überbieten sich mit Vorschlägen, wie die Tore Europas vor Schutzsuchenden endgültig zu verschließen sind. Während die Bilder von Männern, Frauen und Kindern vor Europas Grenzen im Jahr 2015 noch Mitleid, Entsetzen und Fassungslosigkeit auslöste, schaut die europäische Öffentlichkeit heute kaum noch hin, nicht mal wenn es Tote gibt. Der 8. Mai 2020 sollte uns auch mahnen, das Schicksal von Menschen auf der Flucht hier und heute nicht von Faschisten bestimmen zu lassen, sondern mit einer verantwortungsvollen, humanen, auf den Schutz des Lebens jedes einzelnen geflüchteten Menschen ausgerichteten Politik zu handeln.“
 
Am Dienstag hatte der DGB die niedersächsische Landesregierung aufgefordert, den 8. Mai in diesem Jahr zum einmaligen, gesetzlichen Feiertag zu erklären und mit einem feierlichen Staatsakt zu würdigen.