Kirchenkreis Göttingen

„Steh auf und geh!“ - Weltgebetstag 2020

Wed, 26 Feb 2020 09:07:04 +0000 von Jeanine Rudat

Simbabwe steht in diesem Jahr im Mittelpunkt des Weltgebetstags. Unter dem Titel „Steh auf und geh!“ werden am Freitag, 6. März, in rund 120 Ländern Gottesdienste gefeiert. Texte, Gebete und Lieder wurden von Frauen aus dem krisengeplagten Land im Süden Afrikas vorbereitet. Das Motto 2020 stammt aus der Bibelstelle, in der Jesus einen gelähmten Mann heilt und ihn ermutigt: „Steh auf - Nimm deine Matte und geh!“ (Johannes 5, 2-9a). 
 
Über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg engagieren sich seit über 130 Jahren christliche Frauen in der Bewegung des Weltgebetstags. Gemeinsam beten und handeln sie dafür, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. Die Göttingerin Konstanze Schiedeck ist eine von ihnen. Die 76-Jährige reist seit zehn Jahren in die Länder, die im Mittelpunkt der Weltgebetstage stehen. In Simbabwe habe sie besonders die Landschaft mit den Viktoriafällen, die Tierwelt und die Freundlichkeit und Fröhlichkeit der Frauen beeindruckt. Und das, obwohl das Land auch nach Beendigung der Herrschaft des autoritären Präsidenten Robert Mugabe in der Krise steckt. 
 
Viele Einwohner haben keinen Trinkwasserzugang, auf Grund einer Dürreperiode droht der einstigen Kornkammer Afrikas eine der schlimmsten Hungersnöte seit zehn Jahren und auch die Gesundheitsversorgung ist unzureichend. In Krankenhäuser fehlen Medikamente und Spritzen. Das Land ist hoch verschuldet. Die Frauen sind besonders benachteiligt. Oft werden sie nach dem Tod ihres Mannes von dessen Familie vertrieben, weil sie nach traditionellem Recht keinen Anspruch auf das Erbe haben, auch wenn die staatlichen Gesetze das mittlerweile vorsehen. 
 
Mit seiner Projektarbeit unterstützt der Weltgebetstag Frauen und Mädchen weltweit in ihrem Engagement. In Simbabwe üben Mädchen und Frauen den Umgang mit sozialen Medien, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, eine Kampagne in Mali wirbt für den Schulbesuch von Mädchen. 
 
Die Frauen, die Konstanze Schiedeck auf ihrer Reise getroffen hat, erhoffen sich viel vom Weltgebetstag. „Sie freuen sich, dass ihr Land und ihre Nöte wahrgenommen werden und dass die ganze Welt für sie betet“, berichtet die evangelische Theologin. Besonders berührt habe sie das Engagement von älteren Frauen, die sich als Laientherapeutinnen um psychisch Erkrankte kümmern. Jede vierte Person in Simbabwe sei traumatisiert, berichtet Schiedeck. 
 
Da psychische Krankheiten in Simbabwe ein Tabu sind, wurde vor 20 Jahren in den Gemeinden das Forschungsprojekt „Friendship Bench“ (Freundschaftsbank) ins Leben gerufen. Die Bänke stehen vor Krankenhäusern. Großmütter im Alter von 35 bis 85 Jahren warten dort auf Menschen, die beispielsweise an Depressionen erkrankt sind und hören ihnen zu. 
 
Von ihren Reisen nehme Schiedeck viel Inspiration für ihre Vorträge mit, die sie vor jedem Weltgebetstag in Südniedersachsen sowohl in katholischen wie evangelischen Gemeinden anbietet. Bereits jetzt plant sie ihre nächste Reise: 2021 steht dann Vanatu, ein Inselstaat westlich von Australien, im Mittelpunkt des Weltgebetstags.